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Theater

Eyjafjallajökull-Tam-Tam

Theater2022Die Corona-Pandemie der vergangenen Jahre hatte es den Jugendlichen der Theater-AG  unmöglich gemacht, live auf der Bühne stehen zu können. In diesem Frühsommer jedoch präsentierten 23 junge Menschen von Klasse 9 bis zur MSS 12, die meisten von ihnen ohne jemals zuvor selbst Bühnenluft geschnuppert zu haben, ein wahrlich nicht einfaches Stück. „Eyjafjallajökull-Tam-Tam“ von Helmut Krausser war von Martin Müller und Christian Schmitz, ihren engagierten Leitern der Theater-AG, ausgesucht worden.

„Als wir nach den Sommerferien und dem Fortgang der Abiturienten 2021 unser erstes Treffen einberufen hatten, waren wir schon gespannt, ob überhaupt jemand Lust zu spielen verspürte. Und direkt kamen 21 junge Frauen und Männer“, verriet Martin Müller glücklich, doch auf so viel Interesse und Resonanz gestoßen zu sein. Das Werk, das, so hofften alle, gezeigt werden sollte, ist ein anspruchsvolles, eines, das zum Nachdenken anregt und einen über den Abend hinaus begleitet. „Eyjafjallajökull-Tam-Tam“, so sein Titel, eine Produktion, die Menschen in einer Situation zusammenführt, die die meisten aus dem eigenen Leben kennen und doch ganz weit entfernt davon sind. Man sitzt mit vielen anderen in einer Abflughalle, kommt nicht weg und ist zum Warten verurteilt. Warten auf Informationen, auf das Ende des Stillstands, auf das Weiterleben. Von fremden Kräften, die man nicht benennen und auch nicht greifen kann, wird man gezwungen, einander auszuhalten, eine extreme Situation, die jeden Einzelnen aufs Äußerte fordert und bis an seine Grenzen bringt. 23 Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, eine toughe Schwangere (Olivia Wagner) und ihr Mann, der „weichgespülte Öko-Spießer (Nele Lützenkirchen) treffen auf den jungen „Sean Connery“ (Fabian Schmitt), der aggressive ehemalige Prenzlberger (Anne Kirsch) auf die „bestes“ („Me English is the yellow of the egg“) Englisch parlierende junge Frau (Giulia Feier), der todkranke, all seiner Inspiration beraubte Werbetexter (Josua Eyer) auf die lauthals schwadronierende  Verschwörungstheoretikerin (Viktoria Kunz), der Cellist mit seiner einzigen „Freundin“, dem Cello (Daria Eckes), auf die eloquente Bildungsbürgerin (Lilli Clemens), die alte, schwerhörige Dame, die in großer Sorge um ihren Kuchen ist (Renana Rosenbaum), auf die besorgte Nonne (Nina Lüttger) und die Sprecherin der Fluggesellschaften (Jeannine Kluschat) auf die schicke Businessfrau (Milena Hahn). Kein Mensch ist dazu gemacht, Geduld aufzubringen, Ruhe zu bewahren, sich einzulassen auf Veränderungen, jedem gemein ist die stetige Bewegung. Kommt es dann doch zum ungewollten Stillstand, in Island ist ein Vulkan ausgebrochen, der europäische Flugverkehr lahmgelegt, brechen Wunden auf, wird man fragil, hilflos, egoistisch und destruktiv. Kommunikation entfällt. Jeder ist auf sich bedacht, das eigene Hemd ist einem eben doch am nächsten. „Normalität“ muss wiederhergestellt, das Chaos besiegt werden. Die jugendlichen Schauspieler überzeugten durch ihre Ausdruckskraft, das Stück, in vielem vergleichbar mit der Corona-Pandemie in all ihren Auswüchsen, bestach durch seine Nähe zur Realität und Transparenz. Allein die Sprache erschien gelegentlich arg restringiert.

Weitere Mitwirkende waren: Lina Wies (Mutter), Mavi Dörr (Supermarktkassiererin), Maya Fendel (Frau mit dem Quilt), Niclas Schug (Amerikaner), Frederic Völpel (Astrologin), Mia Mehlig (Frau mit dem fahrenden Kiosk), Nina Lüttger (Begleiterin der alten Frau), Leonie Mumm (Autorin) und Fabian Schmitt (Flugkapitän).

Für das Licht zeichnete Christian Schmitz verantwortlich, für Layout, Fotos und Trailer Bastian Grebe und für zusätzliche Texte Giulia Feier, Nina Lüttger, Martin Müller, Renana Rosenbaum, Fabian Schmitt, Niclas Schug und Lioba Wies.

Da drei der Mitspielenden erkrankt fehlten, wird es am 28. Juni um 19.30 Uhr eine weitere Vorstellung in der Aula der ADS geben.

Autorin: Claudia Römer

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