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Nachtwallfahrt 2022

Inspiration für den Alltag

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Die Nachtwallfahrt der Alfred-Delp-Schule ist nicht nur eine liebgewonnene Tradition aller Beteiligten, sondern die Gelegenheit, in Gemeinschaft Glaubenserfahrung zu sammeln. Nach drei langen Jahren, in denen sie coronabedingt nicht stattfinden konnte, war es in diesem Frühjahr wieder möglich, sich auf den Weg nach Spabrücken zu begeben. Ausgehend von Hargesheim liefen die „Pilger“, darunter viele junge Menschen, in die Dämmerung hinein. 

nachwallfahrt2022 2Schon auf der Ochsenwiese versammelte sich die Gruppe zu einem ersten geistigen Impuls zum Wort „Frieden“, der dankbar angenommen wurde und mit Gitarrenbegleitung in viele Sprachen übersetzt werden konnte. Weitere Stationen des Innehaltens und Besinnens kamen in Gutenberg, Wallhausen und an der wunderbaren Burgruine in Dalberg hinzu. Immer wieder fand man zusammen, um den Worten der Mitglieder des Seelsorgekreises zu lauschen, sie auf sich wirken zu lassen und ihnen gedanklich nachzuspüren. Die Geschehnisse in der Ukraine waren dabei allgegenwärtig. Das Leid der Menschen dort lag über allem. Wer hätte sich noch vor wenigen Wochen vorstellen können, mitten in Europa eine Kriegsszenerie erleben zu müssen? Männer und Frauen töten einander. Unzählige Menschen haben ihr Zuhause verloren und befinden sich auf der Flucht. Putin droht mit Atomwaffen und Europa rüstet auf. Die Zeichen stehen wahrlich auf Sturm. Für viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene bedeutet dies die zweite existentielle Erfahrung von Kontrollverlust in gerade einmal drei Jahren. Gerade jenes Erleben von Ohnmacht und Hilflosigkeit wollten die Gläubigen in diesem Jahr aufgreifen und ihre Friedenssehnsucht ins Wort heben. Als Christinnen und Christen glauben sie an einen Frieden, den die Welt nicht geben kann. Er muss von Gott kommen und von den Menschen erbeten werden. Sich austauschen zu können, miteinander ins Gespräch zu kommen und auch miteinander zu schweigen, sind essenzielle Bestandteile einer solchen Wallfahrt entlang blühender Rapsfelder, dem Vogelgezwitscher lauschend, den Duft der Natur an einem angenehmen Frühlingsabend wahrnehmend. Stille legte sich über die Teilnehmer auf ihrem Weg in die Dunkelheit der Nacht, die vom Kerzenlicht in der Eucharistiefeier in der Kirche „Mariä Himmelfahrt“ erhellt wurde.  Gedachte man des Kriegs-Psalms von Monsignore Stephan Wahl, der in den 1990ern Jahren Schulpfarrer an der Alfred-Delp-Schule war, so konzentrierte man sich andernorts auf Luthers „Verleih uns Frieden“ in der Vertonung Felix Mendelssohn Bartholdys oder eine Meditation zu dem bekannten Gebet „Herr, mach‘ mich zu einem Werkzeug Deines Friedens“. In Spabrücken endlich wurde an das Auferstehungsfenster der evangelischen Kirche in Kiew als Hoffnungszeichen erinnert. Gesamtschulleiter Dirk Johann, erstmals bei einer Nachtwallfahrt dabei, meinte: „Sie ist etwas ganz Besonderes. So etwas hat keine andere Bistumsschule.“ Lehrerin Angelika Kind befand: „Es ist ein wunderbares Erleben von Gemeinschaft!“ Marlene Domann fasste zusammen: „Es ist schön, mit so vielen jungen Menschen gemeinsam unterwegs zu sein.“ Paula Grünewald, Schülerin der MSS 11, hielt fest: „Die Nachtwallfahrt hat mir sehr gefallen – besonders der Abschnitt im Schweigen durch den Wald nach der Station an der Dalburg. Auch das Gespräch mit den Gästen aus Rumänien war sehr interessant. Der Baustil der Kirche in Spabrücken hat mich fasziniert.“ Mitschülerin Celina Beckhaus erklärte: „Das Laufen fand ich insgesamt sehr entspannend. Die Lehrerinnen und Lehrer haben die Stationen ansprechend gestaltet. Nächstes Jahr gehe ich auf jeden Fall wieder mit. Hoffentlich findet dann auch das gemütliche Beisammensein zum Abschluss wieder statt.“ Finn Bockskopf aus der zwölften Jahrgangsstufe drückte seine Gedanken folgendermaßen aus: „Die Etappe den Berg hoch nach Spabrücken fand ich sehr anstrengend, allerdings auch sehr schön. Vor allem der kurze Weg durch den Wald nach dem Impuls von Herrn Klemm und Herrn Wingenter war beruhigend. Insgesamt war die Atmosphäre während der Wallfahrt schön – nicht zuletzt dank der Gespräche mit meinen Freunden.“ Pfarrerin Susanne Storck konstatierte: „Gemeinsam im Glauben unterwegs zu sein, ist etwas Wunderbares. Und die Landschaft des Gräfenbachtals ist im Abendlicht ein Traum.“ Schulpfarrer Dr. Thomas Deutsch ergänzte: „Toll, dass nach zwei Jahren Zwangspause über 90 Mitglieder der Schulgemeinschaft mit auf dem Weg nach Spabrücken waren!“

Autorin: Claudia Römer

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