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Jugend musiziert

Interview mit den Siegerinnen beim Regionalentscheid

Jugend musiziert Mrz 2022Immer wieder stellen sich junge, musikalisch sehr begabte Menschen den Herausforderungen eines „Jugend musiziert“-Wettbewerbes. Zwei von ihnen, die sogar den ersten Platz errungen haben, sind Merle Faus (13) und Nele Meyer (15), Schülerinnen am Gymnasium der Alfred-Delp-Schule und des über die Grenzen der Musikschule hinaus bekannten Geigenlehrers Virgjil Gega. In einem Interview legten die beiden talentierten Violinistinnen dar, wie sie zu „ihrem“ Instrument gekommen sind.

Sowohl Nele als auch Merle sind in Elternhäusern groß geworden, in denen Musik gelebt und geliebt wird. Ist es auf der einen Seite der Vater, der die Tochter heute bei Vorspielen am Klavier begleitet, so stehen auf der anderen Seite Vater und Großvater, die als Musikpädagogen unmittelbar vom Fach sind. Nele hätte, wäre sie dem Wunsch des Vaters gefolgt, Cello oder eben auch Klavier gewählt, aber sie entschied sich für die Geige, die sie „einfach so schön findet, ihre Melodien“ genießt und den „schönen Ton“. Gewiss, hält die junge Dame fest, gestaltet sich die „Anfangsphase schwieriger als bei anderen Instrumenten. Am Anfang ist es extrem hart, man muss durchhalten. Die Tonqualität ist nicht so gut, Disziplin ist wichtig.“ Nele übt fast jeden Tag, zwar mit wechselndem Zeitansatz, `mal eine halbe Stunde, `mal zwei. Durchschnittlich sind es 1,5 Stunden. „Es macht einfach mehr Spaß, wenn ein Partner dabei ist, also mein Vater.“

Merle verrät, dass sie das Geigenspiel vor fast acht Jahren begonnen hat. „Ich habe das gesehen und fand das dann so toll, dass ich sie auch spielen wollte.“ Unterrichtet wurde sie zunächst von Valentina Gega, nun ist sie bei deren Mann. „Herr Gega ist sehr ehrlich und gibt immer Kritik. Ein Lob ist ein Lob. Er ist sehr musikalisch. Wenn er vorspielt, dann lächelt er, er liebt die Musik“, erzählen beide Mädchen übereinstimmend. Gleichzeitig ergänzt Merle: „Meine Mutter hat gesagt, dass in dem Moment, in dem ich die Geige in die Hand nehme, meine Augen strahlen.“ Hausmusik ist für beide nichts Ungewöhnliches, bringt sie doch ganz viel Spaß.

Im Vorfeld des Wettbewerbs übte Merle ebenfalls ungefähr 90 Minuten täglich. „Normalerweise sind es 50 Minuten bis eine gute Stunde“, berichtet ihr Vater Michael, der dem Gespräch beiwohnt. Merle spielt zudem Klavier und ist ins Landesjugendorchester berufen worden. In den Osterferien findet die erste Probenphase statt, auf die sie sich schon sehr freut. „Fünf Jungmusiker sind hereingekommen. Möglicherweise rücken weitere nach. Einige Familien hatten sicherlich bereits für die Osterferien geplant“, führt Michael Faus aus. Von Merles Vorspiel erzählt er: „Merle hat sich hingestellt und vom ersten Ton an das Gefühl vermittelt, dass sie das liebt, was sie da tut. Ich spürte, dass an diesem Tag nichts passieren konnte. Heute ist ein Fluss war, so war mein Gedanke.“ Merle selbst stellt fest: „Ich war schon aufgeregt, aber als ich hineingegangen bin, war alles gut.“ Ort des Vorspiels war der Fachbereich Musik an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.

Nele meint: „Ich war vor Vorspielen immer sehr nervös. Es wird nicht weniger. Wenn man dann aber fertig ist, ist es alle Aufregung wert gewesen.“ Auch hat sie lieber die Noten bei sich, denn „ich schaue ab und zu darauf, um zu wissen, dass sie da sind, wenn irgendetwas passieren sollte.“

Die Option, ebenfalls ins Landesjugendorchester berufen zu werden, besteht weiterhin auch für Nele. Natürlich stellt sie sich dieser Herausforderung gerne nochmals. „Ich freute mich sehr, natürlich, das war auch einer der Gründe, warum ich mit dem Geigenspiel angefangen habe, um irgendwann mit anderen in einem Orchester spielen zu können.“

Der Regionalentscheid „Jugend musiziert“ selbst fand in diesem Jahr digital statt. „Das ist natürlich etwas anderes“, bestätigen beide, „der Druck, perfekt zu sein, war dadurch noch größer. Es geht noch besser. Wir spielen es nochmals.“ Nele weiß aber auch: „Es macht die Musik ein wenig kaputt, wenn man zu viel nachdenkt.“ Beim Landeswettbewerb selbst jedoch spielen die jungen Musikerinnen in Präsenz.

Merles Osterferien stehen somit ganz im Zeichen der Musik. „Nach dieser Probenarbeitsphase wird wiederum entschieden, ob das Spiel gut genug war. Im Orchester muss man in der Lage sein, nach rechts und links zu hören und auf den Dirigenten zu reagieren“, gibt Michael Faus zu bedenken. Die Jugendlichen werden sich auf Schloss Engers in Neuwied zusammenfinden. Die Phasen sind so abgestimmt, dass Schulkinder dabei sein können. Beurlaubungen werden von den meisten Schulen genehmigt.“

Während Merle sind durchaus ein Leben als Vollblut-Musikerin vorstellen kann, strebt Nele in die Naturwissenschaften. „Musik soll mein Hobby bleiben!“

Merle intonierte Christoph Willibald von Glucks „Melodie d-Moll. Andante con moto“, Charles de Bériots „Konzert Nr. 7 G-Dur op. 76. 1. Satz Allegro maestoso“ und Franck van der Heijdens « Furious g-Moll“. Nele spielte Fritz Kreislers „Praeludium und Allegro im Stile von Gaetano Pugnani e-Moll“, Ludwig van Beethovens „Sonate Nr. 5 (Frühlings-Sonate) B-Dur op. 24. Adagio molto expressivo.“ und Johann Sebastian Bachs „Violinsonate No. III C-Dur BWV 1005. Allegro assai”.

Autorin: Claudia Römer

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