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Workshop mit Michaela Striebich

Stimm(ungs)volles Vorlesen trainieren

Stimmungsvolles Vorlesen 3Was heißt es, „stimm(ungs)voll“ vorzulesen? Wie geht das überhaupt? Diese Fragen und noch viele andere beantwortete Workshopleiterin Michaela Striebich aus Heidelberg Anfang der Woche fünf motivierten und interessierten jungen Vorleserinnen. Erstmals fand dieser an der Alfred-Delp-Schule  statt und richtete sich insbesondere an die Lesescouts.

In dreieinhalb intensiven Stunden rund um die Stimmschulung erfuhren die Schülerinnen alles, was sie schon immer einmal wissen wollten. Die Stiftung Lesen als Partnerin dieser Aktion fördert auf ganz unterschiedliche Weise die Lesekompetenz und Lesefreude junger Menschen.

Die „Pfadfinderinnen“, unterwegs, um Mitschüler fürs Lesen und Eintauchen in fremde Welten zu begeistern, erhielten eine kurzweilige und abwechslungsreiche Einführung in viele ihnen bis dahin unbekannte Techniken. Michaela Striebich machte es den Jugendlichen durch ihre freundliche und empathische Art sehr einfach, sich auf das „Lesetraining“ einzulassen. Nach einem kleinen Kennenlernspiel widmete man sich rasch dem Warmmachen und Auflockern der entsprechenden Muskelpartien. „Die Stimme ist ein Muskel“, erfuhren sie. „Mim, Mem, Mam, Mom und Mum“, hörte man die Aktiven allenthalben mit Bedacht sprechen. Tennisbälle sprangen von einer Schülerin zur nächsten. Der Ton wurde so lange gehalten, bis der Ball den Partner erreicht hatte. Die eigene Indifferenz-Tonlage lässt sich hiermit leicht auffinden. Sich zu räuspern, tut der Stimme gar nicht gut, verriet die engagierte Workshopleiterin. Besser ist es dagegen zu summen, Wörter mit den Anfangsbuchstaben „M“ und „N“  zu nutzen und richtig zu atmen. Mit der Hand auf dem Bauch übten sie sich denn darin und spürten schon nach kurzer Zeit eine deutliche Veränderung. Genügend Luft zu haben, erleichtert nun einmal gutes und vor allem betontes Lesen. Vibrationen am Kehlkopf verdeutlichten zum einen die nötige Resonanz, zum anderen sind es die Schwungübungen im Rhythmus, die eine positive Korrektur herbeiführen.

Stimmungsvolles Vorlesen 2Goethes Refrain aus seiner Ballade „Der Zauberlehrling“ („Walle! Walle/ Manche Strecke,/ dass, zum Zwecke,/ Wasser fließe/ und mit reichem, vollem Schwalle/ zu dem Bade sich ergieße“) lud die Schülerinnen dazu ein, einen gemeinsamen Sprechrhythmus zu finden. Alle bewegten sich im gleichen Takt vor und zurück und spürten direkt, wie eng doch die eigene Stimme, der Ausdruck und die Betonung hiermit verknüpft sind. Wo liegt der Akzent? Wann muss ich ein- und wann ausatmen? Wie ist die Stimmung? Ist die Person fröhlich oder traurig? Fragen, denen die fünf Mädchen mit ihren Lehrerinnen Susanne Schnörr und Claudia Römer nachgingen. Ein wechselseitig vorgetragener Text zum Fliegen in aufrechter Haltung und mit dazu passender Gestik ließ den Unterschied zum sitzenden Vorlesen transparent werden. Die Arme sind, so Workshopleiterin Michaela Striebich, ein probates Mittel, um akzentuiert und punktgenau das vorzutragen, was einem wichtig ist. Auch kommt es darauf an, die Pausen an den richtigen Stellen zu positionieren. Die für den Vorlesetag am 20. November vorbereiteten Märchentexte aus aller Welt boten denn genügend Gelegenheit, das eben Gelernte selbst anzuwenden. Betonung, Lesetempo, Lautstärke, Artikulation und auch Haltung, das wurde jeder Vorleserin klar, hängen eng zusammen und müssen als ein Ganzes gesehen werden, will man andere fesseln und sie in ferne Sphären reisen lassen. Die jungen Damen zogen begeistert mit und sind schon jetzt voller Vorfreude auf die Stunden, in denen sie anderen vorlesen dürfen. Michaela Striebich verstand es, diesen Nachmittag zu etwas ganz Besonderem werden zu lassen, ging sie doch sensibel auf jede einzelne Schülerin mit Tipps und Tricks ein.

Stimmungsvolles Vorlesen 1

Autorin: Claudia Römer

 
 

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