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Ausstellung ZERO

Wenn schwanger, dann ZERO!

ZERO2020„Nichts ist so schädlich wie der Konsum von Alkohol während der Schwangerschaft. Jeder Tropfen, den ich trinke, ist schädlich für das Kind!“, stellte Nina Roth, Referatsleiterin Suchtprävention in der Landeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Rheinland-Pfalz, in ihrer fesselnden Einführung fest. Die interessierten Zuhörer in den Räumlichkeiten der ehemaligen Mensa der Hargesheimer Alfred-Delp-Schule folgten ihren Ausführungen konzentriert und nachdenklich.

Denn, so führte Nina Roth weiter aus, „das ungeborene Kind trinkt mit – sofort hat es den gleichen Promillewert wie die Mutter.“ Eindrücklich waren ihre Worte, eindringlich ebenso, „die Männer dürfen ihre Frauen im Verzicht gerne unterstützen. Es gibt immer alternative Getränke.“ Markus Weber, Dienststellenleiter vom Caritasverband Rhein-Nahe e.V. , und seine Kollegen waren es, die diese Ausstellung nach Hargesheim geholt hatten. „Viel Aufwand bei der Vorbereitung war vonnöten. Es gilt, junge, heranwachsende Menschen anzusprechen, für die die Themen Sexualität und Alkoholkonsum an Bedeutung gewinnen.“ Vier spannende Tage waren für die Jugendlichen der achten und neunten Jahrgangsstufe geplant, die, von einem Lehrer und einer Schulsozialpädagogin begleitet, sich mit „ZERO“ beschäftigen sollten. Besonders intensiv erlebt wurde ein Kuppelzelt, das eine von drei Stationen darstellte. Es ist wohl das „Herzstück“ der Veranstaltung, da es symbolisch für eine Gebärmutter steht und das Leben von Mutter und Kind während der 40 Wochen Schwangerschaft erfahr- und erlebbar machen soll. Der Besucher, ganz gleich welchen Alters, fühlt sich als Embryo, um ihn herum nimmt er real nachgebildete Geräusche wie den Herzschlag der Mutter wahr, der ihn stetig umhüllt. Expertin Nina Roth rückte ins Bewusstsein, wie viele Risiken die schwangere Frau eingeht. „Der Alkohol gelangt zu fast 100 Prozent ungefiltert zum Kind. Während der Erwachsene jedoch ein Enzym besitzt, das ihn abbaut, ist das Ungeborene 20 Stunden lang mit dem Alkohol beschäftigt, also einem reinen Zellgift! Es kann zum Krankheitsbild FASD führen“, erklärte Nina Roth, zu „Fetal Alcohol Spectrum Disorders.“ Um sich FASD in seinen Auswirkungen besser vorstellen zu können, trug sie die Nachbildung eines Neugeborenen auf dem Arm, in dessen Gesichtszügen man bereits eine/seine Beeinträchtigung erkennen kann. „Dieses Modell hat das Vollbild der Erkrankung“, führte sie aus, „es fehlt das Philtrum, die vertikale Rinne von der Nase bis zur Mitte der Oberlippe, die Nase ist kleiner und nicht so weit ausgebildet, da nicht genug Zellgesamtmasse für die Entwicklung des Kindes vorhanden war, das Baby ist insgesamt viel zu klein, die Organe sind oft nicht ganz ausgebildet, die Ohren in sich gedreht und zu weit unten, die Augen hängen, die Finger sind zusammengewachsen, der Kopf ist ebenfalls kleiner, was zur Folge hat, dass das Gehirn schlechter verzweigt ist, es kann nicht lachen, wodurch keine Kommunikation stattfinden kann und die Interaktion erschwert wird. Ein Glas pro Woche macht durchschnittlich 20 Punkte im IQ. Es kommt zu Entwicklungsverzögerungen. Das Erfahrungslernen ist nicht möglich, was dazu führt, dass ein solches Kind  exorbitant mehr Unfällen ausgesetzt ist als ein anderes.“ 10000 Menschen leiden zurzeit darunter. Jede Stunde wird ein weiteres Kind mit diesem Krankheitsbild geboren. Nina Roths Worte rüttelten wach und stellten erneut klar, dass schon ein Schlückchen zu viel zur falschen Zeit immense Folgen haben kann für das Ungeborene. „Junge Menschen müssen es wissen und weitergeben“, schlussfolgerte sie und fragte abschließend in die aufmerksame Runde: „Wie gehen wir mit den Müttern um, die in der Schwangerschaft trinken?“ Eine Überlegung, die all die Jugendlichen, für die die Wanderausstellung in ihrer Schule Station gemacht hatte, bei ihren Besuchen vor Ort beschäftigen sollte.

Autorin: Claudia Römer

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