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Kochbuch

Lecker essen nicht vergessen!

Präsentation des Kochbuchs in Mosbach

LeckerEssenWelche Abhängigkeiten gibt es zwischen Demenz und der Ernährung des Einzelnen? Was kann man tun, um Erkrankte zum Essen zu bewegen, gibt es für sie doch oft keine Notwendigkeit, sich zu festen Zeiten zu gemeinsamen Mahlzeiten zu treffen? Unter dieser Fragestellung präsentierten Claudia Römer und Marco Scherer ihr im vergangenen Jahr entstandenes Kochbuch speziell für diese Personengruppe unlängst in Mosbach (Baden-Württemberg).

Den Rahmen hierfür bildete die vierte Veranstaltung einer Reihe, welche der dort ansässige Arbeitskreis „Gerontopsychiatrie“ zum Thema Demenz organisiert hatte.

Dieses Werk entstand als Gemeinschaftsprojekt von 14 Schülern der Alfred-Delp-Schule und der Residenz „Pro Seniore“ im Bad Kreuznacher Salinental unter der Leitung von Oberstudienrätin Claudia Römer und Initiator und Mitorganisator Marco Scherer. „Lecker essen nicht vergessen“ – ein Titel, der die Ambivalenz des Themas in aller Klarheit aufzeigt.

Dr. Valentin Hoss, Allgemeinmediziner in Buchen (Odenwald) und Vorsitzender des Arbeitskreises, akzentuierte bei der Buchvorstellung die Wichtigkeit der Kontaktpflege zwischen Jung und Alt. Kochen sei eine bedeutsame Säule unter vielen, brächte es doch die Generationen auf einfache Art und Weise zusammen. Die Wechselwirkung von Demenz und Ernährung müsse publik gemacht werden, nachlassendes Hunger- und Durstgefühl bei besonders großem Bewegungsdrang, mangelndes Geschmacksempfinden und einseitige Ernährung insbesondere bei dementiell erkrankten Patienten benötigten eine breite Öffentlichkeit, die sich dieser Zusammenhänge bewusst sei und ihrerseits alles dafür tue, zum – kalorienreichen und abwechslungsreichen – Essen zu animieren. „Gesundheit ist nichts, was einem auf die Füße fällt!“, hielt Dr. Valentin Hoss denn auch mit Nachdruck fest.

„Beide Seiten, junge und ältere Menschen, genießen die gemeinsam verbrachte Zeit. Sie betrachten diese oft als ein unschätzbares Geschenk – gerade in Zeiten, in denen junge Menschen gar nicht mehr so häufig mit ihren Großeltern zusammenwohnen. Ein unverkrampfter Umgang miteinander kann hier viel bewirken“, meinte Claudia Römer, „man muss den Schülern nur zeigen, wie schön es ist und sein kann, miteinander auf dem Weg zu sein.“ Die Sensibilisierung für dieses Thema liegen ihr und Marco Scherer besonders am Herzen, so ist es nicht verwunderlich, dass die Frage nach einer Mitarbeit bei der Lehrerin und den Jugendlichen auf offene Ohren und Herzen stieß. Entstanden ist ein Kochbuch, welches über knapp 50 unterschiedliche Fingerfood-Rezepte verfügt. Wichtelmützchen lassen sich hier genauso finden wie Kartoffel-Kräuter-Taler, Pumpernickel-Frischkäse-Wölkchen, feurige Pizzaschnecken und Orangen-Gugelhupfträume. Herzhaftes, Pikantes, Gerichte aus der Pfanne und dem Ofen, Snacks und süße Träume, ausgewogen, hochkalorisch und einladend. Um den Senioren das Essen zu erleichtern und ihren Bedürfnissen entgegenzukommen, verzichtete man ganz bewusst auf den Gebrauch von Messer und Gabel, im Vordergrund steht die Lust an der Speise selbst. Dabei wurde darauf geachtet, dass sich alle Rezepte sowohl im Alltag zuhause wie in den Pflege- und Seniorenheimen leicht umsetzen lassen. Demenzerkrankte sollen – wo immer möglich – noch selbst unter Anleitung am Kochen mitwirken und eine Bereicherung ihres Alltags erleben.

Im Vorfeld hatten die Schüler zuhause in den Kochbüchern recherchiert, das Internet gezielt durchforstet und ihre Lehrerin hatte Spitzenköche wie Johann Lafer und Sarah Wiener kontaktiert, die ihrerseits gerne Rezepte beisteuerten. Familie Johann Lafer stellte gar ihr Kochstudio in Guldental zur Verfügung, in dem alle Beteiligten werkeln konnten. In zwei Tagen waren alle Gerichte realisiert, gekostet, für gut befunden und von einer Food-Fotografin ins rechte Licht gerückt worden.

Bereits seit einigen Jahren unterstützen Claudia Römer und Marco Scherer die Begegnungen zwischen den Generationen. Ob im „Treffpunkt Mensch“ oder bei der 72-Stunden-Aktion, immer war es so, dass sich Menschen unterschiedlichen Alters trafen und viel voneinander lernten, gemeinsam kegelten, sangen, kochten, bastelten, Theater spielten und sogar eine gesamte Dementen-Station gestalteten. Die Ideen gingen niemals aus, so entstand sogar ein Fotokalender. „Die Wertschätzung füreinander wächst bei solchen einzigartigen Projekten. Man muss die Menschen zueinander bringen und ihnen den Austausch ermöglichen. Das geht weit über den Schulalltag hinaus“, stellten Claudia Römer und Marco Scherer abschließend fest.

Einen Traum hegen sie noch: „Wir möchten gerne ein weiteres Kochbuch erstellen, das in den Buchhandlungen käuflich zu erwerben sein wird und einen großen wissenschaftlichen Teil zum Thema Demenz und Ernährung enthalten soll.“ Die Vorbereitungen dazu sind bereits angelaufen.

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